Entwicklungsminister gegen Patentfreigabe für Corona-Impfstoffe

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat sich gegen eine Patentfreigabe für Corona-Impfstoffe ausgesprochen. „Wenn wir allein durch die Patentfreigabe schneller zum Ziel kommen würden, Impfstoff für alle zu produzieren, wäre ich dafür. Aber das ist derzeit nicht der Fall“, sagte er dem „Spiegel“.

Das Patent allein reiche nicht. Man müsse auch wissen, wie der Impfstoff produziert werden soll. „Nur ein Patent freizugeben, sorgt noch für keine einzige zusätzliche Impfdose“, so Müller. Angesichts des derzeitigen Mangels an Impfstoffen gerade in ärmeren Ländern spricht sich Müller für mehr internationale Zusammenarbeit bei der Produktion aus. „Deshalb sollten aus meiner Sicht dringend mehr gezielte Lizenzproduktionen und ein Technologietransfer stattfinden.“ Bisher sei vor allem Indien imstande, mit dem reinen Rezept etwas anzufangen. Entscheidend sei, ein gutes Matching zwischen Lizenzinhaber und Produktionsstätten in Entwicklungs- und Schwellenländern zu organisieren. „Genau das tun wir und reden mit potenziellen Lizenznehmern in Südafrika, in Ghana und im Senegal. Diese könnten aber frühestens Ende des Jahres so weit sein, Impfstoffe abzufüllen und später auch zu produzieren. Für die anspruchsvoll herzustellenden mRNA-Impfstoffe dauert es noch länger.“ Parallel will der Entwicklungsminister über Produktionsmöglichkeiten in Ländern wie Mexiko und Brasilien nachdenken. „Corona ist ja nicht in einem Jahr vorbei. Das Virus mutiert. Wir müssen langfristig planen und Impfstoff-Produktionsstätten weltweit ausbauen. Diesen Technologieschub können wir übrigens auch für Routineimpfungen gegen Masern, Polio oder Tollwut gut nutzen“, so Müller.

Foto: Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer, über dts Nachrichtenagentur

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