Ärzte ohne Grenzen: Corona ist ungebremst in den Jemen eingefallen

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Laut Tankred Stöbe von Ärzte ohne Grenzen hat das Coronavirus im Jemen besonders großen Schaden angerichtet. „Wir hatten ja hier in Deutschland Wochen und Monate des Vorlaufs, wo wir das alles vorbereiten konnten. Covid-19 ist wirklich ungebremst in den Jemen eingefallen, vor allem im Süden, da begann es auch“, sagte Stöbe am Samstag dem Deutschlandfunk.

Es habe keinerlei Schutzmaßnahmen gegeben. „Es gab nicht mal Aufklärung. Die Menschen haben nicht erfahren, um was es sich da eigentlich handelt. Die Angst, die Stigmatisierung vor dem Virus, die war von vornherein sehr groß“, sagte der Arzt. Neben dem Virus habe der Jemen auch sehr mit dem Bürgerkrieg zu kämpfen. „Ich war jetzt in Aden, in der südlichen Stadt, da betreiben wir seit Jahren ein Traumazentrum, wo wir die Kriegsverletzten behandeln können. Das ist sozusagen unser Alltag dort, da sehen wir Dutzende Verletzte jeden Tag“, sagte Rettungsmediziner. Tatsächlich brauche es eine seriöse Aufklärung. „Das Leben in der Stadt oder in ganz Jemen läuft unter diesen Kriegsbedingungen so weiter für die Menschen.“ Die Bomben und Schießereien seien natürlich sichtbarer, beängstigender und realer als ein unsichtbares Virus. „Es müsste was ganz Banales geben wie Wasser, dass die Menschen sich die Hände waschen können. Das Land leidet seit vielen Jahren unter einer massiven Wasserarmut“, beklagte Stöbe. Schutzmechanismen seien nicht vorhanden, aber eben auch Behandlungsoptionen seien nicht da. „Im Moment sind die Infektionszahlen für Covid-19 einigermaßen runter, aber sollte es zu einer zweiten Welle kommen im Jemen, dann ist das Land wahrscheinlich ähnlich schlecht vorbereitet wie beim ersten Mal“, so der Mediziner.

Foto: Jemen, über dts Nachrichtenagentur

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